Der Palast (4v.4)

Mit Zins und Zinseszins haben Sie also für das Jahr 1761 insgesamt 134,7 Milliarden Pfund zu entrichten. Aber keine Bange, im Jahr drauf reduziert sich das – wir haben ja für 1762 etwas weniger Zinsen, da sind es nur noch 130,8 Milliarden. Wenn Sie die Aufstellung von Nat einmal umblättern, kann man das Jahr für Jahr verfolgen. Unsere Gesamtforderung seit 1761 beläuft sich auf 4622,8 Milliarden Pfund. Dazu kommen logischerweise noch 61,6 Millionen für die ersten zehn Monate dieses Jahres. Übergabe des Buckingham Palastes zum 31.10. plus Begleichung unserer Forderung von 4622,86 Milliarden – und wir gehen als Freunde auseinander.


Sie können möglicherweise den Gesamtbetrag nicht gleich auf den Tisch legen? Das verstehe ich, wir kommen Ihnen selbstverständlich entgegen. Wir sind schließlich keine Unmenschen. Sie müssten das gesamte Vermögen der Krone veräußern? Nun, bitte – dafür lassen wir Ihnen gern ein halbes Jahr Zeit. Nur Ihr Portfolio beinhaltet nicht mehr gar so viel, nicht wahr? Nach dem Ausscheiden von Nordirland, Wales und Schottland aus dem Vereinigten Königreich ist der Besitz ja sehr geschrumpft. 


Vielleicht können Sie in das Privatvermögen Ihrer Majestät eingreifen? Gibt es eine Schadensersatzregelung? Das Königshaus hat den Buckingham Palast schließlich häufig privat mitbenutzt, nicht wahr? Eine halbe Milliarde sollte bei Elizabeth doch zu holen sein…


Im schlimmsten Fall geht das Kronvermögen in die Insolvenz, das wäre natürlich traurig. Die Schlösser Windsor und Balmoral könnten wir übernehmen und mit unserer Forderung verrechnen. Und machen Sie sich keine Sorgen um Ihre Königin. Wir würden ihr im äußersten Notfall kostenfrei eine Suite auf Lebenszeit anbieten mit Halbpension in unserer Seniorenresidenz Abendsonne in Humptydory – es heißt doch Humptydory, Reginald? In der Nähe von Manchester jedenfalls. 
Allerdings besteht hinsichtlich des Kronvermögens ein völkerrechtlich bindendes Bürgschaftsversprechen des Königreiches England. Das hattest du ja herausgefunden, Henry. Da wäre wahrscheinlich noch was zu holen gewesen aus dem Solidaritäts-Fonds der Europäischen Union, wenn Sie da nicht neulich ausgetreten wären. Nun gut. Im Extremfall haftet halt der englische Steuerzahler. Das sind wir zum Glück nicht, he he. Nur du Reginald, ein bisschen, ich weiß…


Soweit wäre dann alles abgeklärt? Sehr schön. Nat, bitte gib ihnen den Zettel mit unserer Kontonummer.

© 2016 by Webdesign Robert Czaplinski